Neue Kitas braucht das Land!

Interview-Reihe mit Wolfram Wäscher – Teil 1

Die Errichtung einer Kindertagesstätte ist – wie der Bau sämtlicher neuer Immobilien – mit zahlreichen Kosten verbunden. Während man aber in der Industrie und auch beim allgemeinen Hausbau schon zu standardisierten Modellvarianten übergangen ist, werden Kindergärten und Schulen nach individuellen Bauplänen errichtet. Wolfram Wäscher hat sich darüber Gedanken gemacht und einen Kindergartenmodell entwickelt, welches überall erbaut werden kann.

Frage: Der Eurokindergarten – welche Idee steckt dahinter?

Wolfram Wäscher: Ein Eurokindergarten besteht aus verschiedenen Modulen, die in Serie gefertigt und dadurch kostengünstiger sind. Diese Kostenersparnis wird natürlich an die Kommunen weitergegeben. Zugleich sparen sich die Bauherren die Inanspruchnahme eines eigenen Architekten, denn die Planungen für die Errichtung eines Eurokindergartens mussten nur einmal vorgenommen werden. Darüber hinaus profitieren die Kommunen zusätzlich von niedrigen Energie- und Heizkosten, denn bei den errichteten Gebäuden handelt es sich um sogenannte Passivhäuser.

Frage: Wer hat bei der Konzeptentwicklung mitgewirkt?

Wolfram Wäscher: In die Planungen wurden sowohl Architekten als auch Pädagogen und Fachleute des Energie- und Gebäudemanagements einbezogen. So wird die Einrichtung nicht nur den Bedürfnissen der Kinder, sondern auch baulichen und energetischen Standards gerecht.

Frage: Gibt es bei der Umsetzung Freiräume?

Wolfram Wäscher: Ja, denn die Räumlichkeiten können nach individuellen Wünschen und den Vorgaben der Kommune konzipiert werden. Dies ist beispielsweise dann vorteilhaft, wenn in der Einrichtung Kleinkinder betreut werden.

Frage: Wie ist der Ablauf der Realisierung in der Praxis?

Wolfram Wäscher: Sobald die Planungen abgeschlossen sind, kauft die Eurokindergarten GmbH der Kommune ein auserwähltes Grundstück ab und errichtet darauf die Kindertagesstätte. Natürlich werden hierbei auch regionale Handwerker mit einbezogen, die beispielsweise den Aushub der Baugrube, die Erstellung der Bodenplatte, Fachgewerke wie HLS, Fensterbau oder die Errichtung der Außenanlage vornehmen. Die Kosten für eine solche Kindertagesstätte belaufen sich auf ca. 2,50 Millionen Euro. Die Bauzeit liegt bei etwa bei 5 - 6 Monaten. 

Frage: Kann die Kommune den Eurokindergarten auch erwerben?

Wolfram Wäscher: Nach der Fertigstellung besteht für die Kommune die Möglichkeit, das Gebäude zu kaufen oder für einen Zeitraum von 20 Jahren zu gleichbleibenden Konditionen zu mieten. Dadurch bleibt die Kommune finanziell flexibel und hat beispielsweise die Möglichkeit, weitere Eurokindergärten in anderen Orts- oder Stadtteilen errichten zu lassen.

Frage: Gibt es auch andere Nutzungsmöglichkeiten?

Wolfram Wäscher: Wir haben die Eurokindergärten so konzipiert, dass sie auch für andere Zwecke genutzt werden können. Die Kindergärten können beispielsweise auch zu Tagestreffs für Senioren, aber auch zu anderen Zwecken umfunktioniert werden. Befindet sich eine Grundschule in unmittelbarer Nachbarschaft, kann ein Teil der Kindergarten-Räumlichkeiten von Grundschülern mitgenutzt werden.  

> Der zweite Teil der Reihe beschäftigt sich mit dem Thema „Finanzierung“.