Bürger in intelligente Gestaltung der Kommune einbinden

Unter diesem Gesichtspunkt fand ein kurzfristiger Meinungsaustausch zwischen dem ehemaligen Oberbürgermeister von Horb und derzeitigem Mitglied des Europäischen Parlamentes sowie zugleich Landesvorsitzenden der Süd-FDP, Michael Theurer und Mike Münzing, seines Zeichens Bürgermeister von Münsingen auf der Alb, statt. Weiterer Gesprächspartner war Wolfram Wäscher  Koordinator und Projektleiter der Euro-Kindergärten.

In diesem Unternehmergespräch ging es in der Hauptsache um kommunale Planungen und daraus resultierende intelligente Finanzierungsformen, um die kommunalen Grundaufgaben besser gewährleisten zu können, am Beispiel des in Münsingen errichteten und im Januar 2014 in Betrieb genommenen Euro-Kindergartens.

In Münsingen entstand binnen kurzer Zeit eine Kindertagesstätte, welche Platz für 48 Kinder in der ersten Phase bietet und auf einem pädagogisch sehr wertvollen Konzept basiert. Zugleich setzen das Gebäude und die integrierte Einrichtung nicht nur von der Größe her Meilensteine, sondern sind aufgrund ihrer Konzeption und Gestaltung auch in Zukunft sehr vielseitig nutzbar.

Wichtige Kriterien waren nicht die Planung des Architekten, sondern allein die Bedürfnisse der Kinder verschiedenster Altersklassen. Allein deren Ansprüche und Bedürfnisse legten den Grundmaßstab, erläuterte der Projektleiter Wolfram Wäscher den beiden Gesprächspartnern.

Besonders begeistert zeigten sich die beiden Gesprächspartner darüber, dass die Kosten für einen neu errichteten Euro-Kindergarten etwa 30 Prozent niedriger liegen, als dies bei sanierten Kindertagesstätten der Fall ist. Euro-Kindergärten warten zudem mit fast der doppelten Spielfläche auf, so Wolfram Wäscher.

„Der Wert, der hier für die Kinder erschaffen wurde, ist unvergleichlich“, erklärte Münsingens Bürgermeister Mike Münzing, gegenüber seinen Gesprächspartnern. Mehr als einhundert interessierte Unternehmen legten Offerten für die Errichtung eines neuen Kindergartens vor und favorisierten teilweise Container- oder Modullösungen. Für den Rat der Stadt stellte sich aber die Frage, warum sich Kinder in einem einfachen umbauten Raum wohlfühlen sollen, in welchem sich sonst Bauarbeiter umziehen. Ein weiteres Entscheidungskriterium war, ob es ein Unternehmen gibt, das auch pädagogische Konzepte in den Bau mit einfließen lässt. Zugleich sollte die Einrichtung aber auch innerhalb weniger Monate errichtet werden, damit jedem Kind ein Kindergartenplatz angeboten werden kann. In Versammlungen konnten die Bürger der Stadt ihre Vorstellungen bezüglich des Kindergartens darlegen. Diese fanden dann, soweit möglich, bei der Planung Berücksichtigung, bevor das Angebot ausgeschrieben und Herr Wolfram Wäscher letztendlich den Zuschlag erhielt.

Michael Theurer hat schon in seiner Zeit als Oberbürgermeister von Horb dafür gesorgt, dass die Bürger seiner Stadt in die Entscheidungsprozesse mit einbezogen wurden. Er sprach der Stadt Münsingen diesbezüglich ein großes Lob aus. Zugleich verlieh er seinem Wunsch Ausdruck, dass der Euro-Kindergarten in Deutschland Schule macht und sich noch viele Kommunen für die Errichtung einer solchen Kindertagesstätte entscheiden. Denn dieses Modell steht nicht nur für eine optimale Finanzierung, sondern auch für die daraus resultierende Einsparung von Steuergeldern. Es könne nicht angehen, dass Stadtwerke oder andere kommunale Unternehmen einerseits nahezu doppelt so hohe Baukosten in Rechnung stellen, sich aber auf der anderen Seite kaum an den Bedürfnissen der Kinder orientieren. Dieser Aussage stimmten auch der Münsinger Bürgermeister und der Projektleiter Wolfram Wäscher in vollem Umfang zu.

In die Errichtung des hiesigen Euro-Kindergartens flossen auch Modelle der Daimler-Kindergärten sowie verschiedenes Know-how des Fraunhofer-Instituts ein. Dadurch ist es unter anderem möglich, dass für das gesamte Gebäude Energiekosten in Höhe von maximal 2.000 Euro pro Heizsaison entstehen, erklärte Wolfram Wäscher in einer kurzen Zusammenfassung.